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Sternkarten Teil 2

Dieses Thema im Forum "Astronomie" wurde erstellt von escho, 25. Mai 2015.

  1. escho

    escho canikon Legende

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    Los gehts mit dem ersten Bild der zweiten Serie.

    [​IMG]Bild 1 - Das Pano by Edgar Scholz, auf Flickr

    Es handelt sich um ein Pano des Nachthimmels, gestitched aus 18 Bildern (Stitchingfehler inbegriffen :) ). An diesem Bild möchte ich ein wenig zur Aufnahme- und Bearbeitungtechnik erzählen.

    Ich hab mit der 6D 18 verschiedene, sich überlappende Ausschnitte des Sternenhimmels fotografiert. Von jedem Ausschnitt hab ich 5 Rohbilder gemacht. Zusätzlich hab ich noch 5 Rohbilder mit geschlossenem Objektivdeckel gemacht (darkframes).

    Belichtungszeit war jeweils 5 Sekunden, Blende ganz offen, ISO auf 3200. Den Weißabgleich hab ich auf Automatik stehen lassen, War ein Fehler, wie man am Pano erkennt (trotz Aufnahme im Rohformat). Brennweite 26mm.

    Bei den 5 Sekunden Belichtungszeit verwaschen die Sterne, die weiter weg von Polaris stehen, schon zu leichten Strichen. Werd ich das nächste Mal wohl mit der nachgeführten Telekopmontierung probieren.
    Die 26mm Brennweite vignettiert beim verwendeten Zoomobjektiv schon sehr stark, außerdem sind in den Ecken Verzeichnungen sichtbar, die es dem Stitchingprogramm schwer gemacht haben, ein einigermaßen passables Pano zu bauen. Hier seh ich auch noch Verbesserungsbedarf.

    Aufnahmezeitpunkt war der 22. April 2015, so gegen 1:30Uhr in der früh. Warum gerade dieser Zeitpunkt? Um 1 Uhr schalten hier in den Nebenstraßen die Strassenlaternen ab. Ich bin in einigen Kilometern Abstand mit dem Fahrrad durch die Feldwege geradelt, den Fotorucksack auf dem Rücken, auf der Suche nach einem so richtig dunklen Fleckchen Erde. Ich fand keines, überall waren von Ferne Lichter zu sehen, die den Horizont aufhellten. Erst nach 1 Uhr wurde es ein klein wenig besser, aber nicht viel. In der Nacht, wenn du Sterne gucken willst, stört selbst der ein paar Kilometer entfernte Scheinwerfer an der Schleuse des Main-Donau-Kanals.

    Nachdem die Bilder alle im Kasten waren, ging es zur Bildbearbeitung.

    Der erste Schritt war die Erstellung eines Masterdarks aus den 5 darkframes. Fitswork hat das für mich erledigt.

    Als nächster kam für jeden der 18 Ausschnitte das Stapeln der 5 Rohbilder. Auch das hab ich mit fitswork gemacht. Vor dem Stapeln der Fotos hab ich von jedem Einzelbild noch das Masterdark abziehen lassen.
    Der Abzug des Masterdarks dient unter anderem dazu, Hotpixels rauszurechnen, das Stapeln der Bilder zur Reduzierung des Rauschens und der Intensivierung der Sterne.

    Nun hatte ich 18 tiffs, die zu einem Pano gestapelt werden wollten. Vorher mußten diese 18 Aufnahmen aber noch etwas verfeinert werden, um die Sternbilder besser erkennbar zu machen.
    Ich hab jedes der 18 Bilder durch einen Gauss´schen Unschärfefilter gejagd, der die hellen Sterne etwas aufpumpte, also größer machte. Diese "aufgepumpten" tiffs hab ich zu den scharfen Bildern addiert. Resultat waren 18 scharfe Bilder, bei denen die helleren Sterne größer dargestellt wurden und die Strichspuren etwas vermindert wurden.

    Diese 18 Bilder hab ich nun durch Hugin gejagt und zu einem Pano stapeln lassen.

    Edgar
     
  2. escho

    escho canikon Legende

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    Hier hab ich nun durch ein weiteres Unschärfefilter die kleineren Sterne ausgeblendet, um die Sternbilder an Hand der wirklich markanten Sterne noch besser erkennbar zu machen. Ist auf en ersten Blick schon einiges bekannte zu sehen.

    [​IMG]Bild 2 - Der Ueberblick by Edgar Scholz, auf Flickr

    Rechts am Bildrand, der neblige Streifen, ist übrigens unsere Galaxie, die Milchstrasse.
     
  3. escho

    escho canikon Legende

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    Hier hab ich die Sternbildlinien dazugemalt, ohne Beschriftung, nur für den Überblick.

    [​IMG]Bild 3 - Die Sternenbilder by Edgar Scholz, auf Flickr

    Und mit den einzelnen Sternbildern in grosser Auflösung werd ich mich in den nächsten Bildern beschäftigen.
     
  4. Oliver78

    Oliver78 Moderator
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    AB-GE-FAH-REN! Wirklich klasse, Edgar. Ich habe zwar noch nicht so alles verstanden, was du da so gemacht hast (einerseits, weil mir die Programmnamen nichts sagen, da ich kein Linux verwende, andererseits für was bestimmte Schritte notwendig waren). Aber ich bin echt begeistert von deiner Arbei. Und über die Stitchingfehler gucke ich wirklich getrost drüber weg :)
     
  5. Volker Arnold

    Volker Arnold canikon Legende

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    Super Arbeit.
     
  6. UMo

    UMo canikon Legende

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    Wow!
    Eine beeindruckende Arbeit, Edgar!
     
  7. escho

    escho canikon Legende

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    Danke fürs Lob
    Edgar
     
  8. escho

    escho canikon Legende

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    "Weißt du wieviel Sternlein stehen, an dem großem Himmelszelt?"

    Ich denke, ein jeder von uns hat dieses Lied schonmal gehört, wenn nicht gar selbst gesungen. "Das müssen Millionen von Sternen sein", dachte ich mir öfter, wenn ich in klaren Nächten in den Himmel blickte, "vielleicht sogar Milliarden!".

    Ganz so Unrecht hatte ich nicht, denn es gibt tatsächlich unzählige Sterne am Himmel. Nur, und hier liegt der Hund begraben, können wir diese unzähligen Sterne leider nicht alle sehen. Die meisten Sterne entziehen sich unserem Blick alleine dadurch, daß sie nicht hell genug scheinen.

    Wieviele Sterne sehen wir nun aber tatsächlich, wenn wir bei einem Nachtspaziergang den Blick in den klaren Himmel werfen? Ich denke, die meisten von uns werden sich da gewaltig verschätzen. Sind nämlich mal gerade 4000 kleine Laternen, die da üben zu sehen sind.

    Ein oder zwei Jahrhunderte vor Chrisi Geburt gab es zwei Griechen, die die Sterne nach ihrer Helligkeit sortierten. Hipparch und Ptolemäus hießen die beiden Kumpels. Sie teilten die Sterne, die man in einer klaren Nacht sehen konnte, in sechs Klassen ein.

    In die Klasse 1 kamen die hellsten Sterne, jene Sterne, die man schon sieht, wenn es noch nicht ganz dunkel geworden ist.
    Um Sterne in Klasse 2 zu sehen, mußte die Dämmerung schon fast vorbei sein.
    Und für Klasse 3 war Dunkelheit angesagt.
    Sterne in Klasse 4 können in der heutigen Lichtverschmutzung in Städten gerade noch erkannt werden, mit etwas Glück.
    Von der Stadt aus ist für die noch lichtschwächeren Sterne der Klasse 5 Ende
    Und Sterne der Klasse 6 können nur bei wirklich klarem Himmel unter allerbesten Bedingungen (Hochgebirge) gesehen werden.

    Irgendwann im achtzehnten Jahrhundert wurde diese sinnvolle, aber doch etwas willkürliche Einteilung mathematisch festgezurrt in einer, der Augenempfindlichkeit nachempfundenen, logarithmischen Skala. Es wurde definiert, daß ein Stern erster Klasse genau 100mal so hell am Himmel erscheint, wie ein Stern sechster Klasse. Da die Skala logarithmisch ist, besteht zwischen zwei Klassen ein Helligkeitsunterschied von etwa 2,5. Wer will, kann das gerne nachrechnen. Ich versichere euch aber, das ist tatsächlich so. Als Einheit der scheinbaren Helligkeit wurde Magnitude festgelegt (abgekürzt mag).

    Was nützt nun aber die beste Skala ohne Referenz, ohne Nullpunikt. Für unsere Helligkeitsskala wählte man als Bezugspunkt den Stern Wega im Sternbild Leier. Er wurde als Nullpunkt auserkoren und bekam die Magnitude 0. Sterne mit einer Magnitude von 1 sind um das 2,5 fache dunkler als die mit einer Magnitude von 0. Je höher die Magnitude ist, um so dunkler leuchtet der Stern am Himmel.

    Wir haben schon gehört, daß Hipparch und Ptolemäus die Sterne in 6 Klassen einteilten. Durch die neu eingeführte logarithmischen Helligkeitsskala konnten die Sternhelligkeiten noch genauer definiert werden. Und die Helligkeitsskale wurde über diese 6 Klassen hinaus erweitert, denn mit den Teleskopen konnten auch noch dunklere Sterne beobachtet werden. Und ein paar wenige Sterne gab es, die sich erdreisteten, doch tatsächlich heller zu sein als die Wega.

    Nun, für die dunkleren Sterne war die Telekopiererei kein Problem. Man sagte einfach, je dunkler, desto höher die Magnitude. Bei den helleren Sternen mußte die Mathematik helfen. Sie bekamen ein negatives Vorzeichen.

    So, genug der Theorie, auch wenn sie interessant ist. Wenden wir uns der Praxis des Sternenguckens zu . Ich hab im Sternenpano mal die hellsten Sterne markiert und ihre Helligkeit angegeben.

    [​IMG]Bild 4 - Sternenhelligkeiten by Edgar Scholz, auf Flickr

    Den hellsten Stern am Himmel, Sirius im Grossen Hund, sehen wir auf dem pano leider nicht. ich möchte dennoch seine Helligkeit nicht verschweigen:

    Platz 1: Sirius (Grosser Hund), -1,46 mag

    Den zweithellsten Stern des Himmels, Canopus, können wir in unseren Breitengraden leider nicht sehen. Er ist südlicheren Gefilden vorbehalten. Dafür sehen wir umso besser Arktur, der sogar in unserem Pano vorhanden ist.

    Platz 3: Arktur (Bärenhüter), -0,31 mag

    Platz 4 ist auch südlicheren Gefilden vorbehalten. Ich möchte den Namen dennoch erwähnen, da er einen gewissen Bekanntheitsgrad besitzt (Ihr erinnert euch doch an den Krimi um den überfahrenen Osterhasen, den Bärlock Holes aufklärte?): Alpha Centauri.

    Und damit ist es auch schon Schluß mit den Sternen mit negativer Magnitude, also mit den Sternen, die heller sind als die Wega. Gerade mal vier Stück waren das, zwei davon auch in Deutschland beobachtbar.

    Kommen wir zu den nächsthelleren Sternen, die zum Aufnahmezeitpunk zu sehen waren:

    Platz 4: Wega (Leier), 0,03 mag
    Platz 5: Capella (Fuhrmann), 0,08 mag
    Platz 12 Altair (Adler), 0,76 mag
    Platz 15: Spica (Jungfrau), 0,98 mag

    Mehr haben wir nicht bis zur Magnitude 1. Polaris, unser Polarstern hat übrigens eine Helligkeit von 1,95 mag

    Jupiter, der im Sternbild des Krebses im pano zu sehen ist, scheint heller noch als der hellste Stern vom Himmel. Er hat eine Magnitude von -2,18
    Der Vollmond, wenn wir ihn denn sehen würden, hätte eine Magnitude von -12,5
    Und der nächste Stern, den wir am Himmel sehen, also unsere Sonne, strahlt mit -26,8 mag vom hoffentlich wolkenfreien Himmel.

    Da die Magnitudenskala logarithmisch aufgebaut ist, können die Zahlen nur sehr schwer zueinander in Relation gebracht werden. Das möchte ich kurz noch anschaulicher darstellen:

    Jupiter (-2,18 mag) ist etwa sieben mal so hell wie die Wega.
    Venus, im Moment unser Abendstern (-4,3 mag) scheint zur Zeit, Ende Mai 2015 40mal so hell wie die Wega
    Die Internationale Raumstation ISS erreicht in besten Zeiten auch Werte um die -4 mag!
    Der Vollmond mit seinen -12,5 mag erscheint uns hunderttausend mal so hell wie die Wega.
    Und den Rekord hält unsere Sonne. Ihre -26 mag lassen sie etwa 50 Milliarden mal so hell erscheinen wie die Wega.

    Ein fröhliches Sternengucken wünscht

    Edgar
     
  9. escho

    escho canikon Legende

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    Weiter geht´s mit den Sternenbildern. Wenn ihr das jeweilige Bild klickt, kommt ihr zu flickr, wo die Bilder in voller 1:1-Aufnösung angesehen werden können.

    [​IMG]Bild 5 - Die koenigliche Familie by Edgar Scholz, auf Flickr

    Kassiopeia fällt sofort ins Auge. Und wenn wir das W der Kassiopeia entdeckt haben, ist es nicht allzu schwer, Perseus und Kepheus zu finden. Andromeda ist zum Aufnahmezeitpunkt leider schon fast ganz unter den Horizont abgetaucht.

    Die Geschichte dieser königlichen Familie hab ich euch ja schon erzählt. Kurz noch mal als Erinnerung: Kassiopeia, die Gattin des äthiopischen Königs Kepheus, prahlte immer sehr mit ihrer Schönheit. Genervt von dieser Prahlerei ließ Poseideon ein Meeresungeheuer (Walfisch) die äthiopische Küste verwüsten. Um das Ungeheuer zu besänftigen, ließ das Königspaar ihre Tochter Andromeda an einen Felsen ketten. Perseus sah das, eilte herbei, tötete den Walfisch und befreite Andromeda.

    Rechts im Bild kommt das Sternbild des Schwans neu in Spiel. Und unten hab ich noch die Eidechse eingezeichnet. Auch wenn´s recht dunkel ist, das Sternbild, mir gefällt´s.

    Interessante Sterne:

    Sternbild Perseus

    Mirfak (α Persei), 1,79 mag, 500 Lj
    Hauptstern im Perseus, gelber Überriese

    Algol (β Persei), 2,1 mag - 3,4 mag, 90 Lj
    Dreisternsystem, Bedeckungsveränderlicher (Perioode 2,87 Tage)
    Ein dunkler und ein heller Stern umkreisen sich schnell und bedecken sich dabei gegenseitig
    Rechter Rockzipfel von Perseus (im Bild knapp unter dem Horizont)

    Sternbild Kassiopeia

    Navi (Tsih) (γ Cassiopeiae), 1,6 - 3,4 mag, 550 Lj
    eruptiver Veränderlicher (unregelmäßig über Jahrzehnte)

    Schedir (α Cassiopeiae), 2,24 mag, 230 Lj
    Hauptstern in Kassiopeia

    Caph (β Cassiopeiae), 2,3 mag, 55 Lj
    pulsierender Veränderlicher (Periode 2,5 Std)

    ρ Cassiopeiae, 4,5 mag, 11000 Lj
    pulsierender Veränderlicher (Periode 320 Tage)
    gelber Hyperriese
    einer der hellsten Sterne überhaupt, aber sehr weit weg
    500000mal so hell wie die Sonne
    Kandidat für eine Supernove-Explosion

    Sternbild Kepheus

    Alderamin (α Cephei), 2,45 mag, 49 Lj
    Hauptstern im Kepheus

    Granatstern (μ Cephei), 3,6 - 5 mag), 5200 Lj
    halbregelmäßig Veränderlicher (Perioden mehre Jahre)
    roter Überriese
    50000mal so hell wie die Sonne

    Sternbild Schwan

    Deneb (α Cygni), 1,25 mag, 3000 Lj
    Überriese
    250000mal so hell wie die Sonne
    erscheint auch am Himmel sehr hell
    wird wohl mal in einer Supernova-Explosion enden

    Sadr (γ Cygni), 2,23 mag, 1500 Lj
    Doppelsternsystem
    etwas dunkler als der Polarstern

    Und hier die deep sky Version, also Galaxien, Sternhaufen und Nebel

    [​IMG]Bild 6 - Die königliche Familie - deep sky by Edgar Scholz, auf Flickr


    Sternbild Perseus

    M34, 5,2 mag, 1400 Lj, 35 arcmin
    Offener Sternhaufen, 100 Sterne
    Mit 35 min Durchmesser etwa Vollmondgroß

    M76 (kleiner Hantelnebel), 10 mag, 3400 Lj, 3,1 arcmin
    Planerarischer Nebel
    Überrest einer Sternexplosion
    Ziemlich finster

    Chi Persei, 6,1 mag, 7600 Lj, 30 arcmin
    Offener Sternhaufen, Vollmondgröße
    mit bloßen Auge sichtbar

    h Persei, 5,3 mag, 6800 Lj, 30 arcmin
    Offener Sternhaufen, neben Chi Persei

    Sternbild Kassiopeia

    M52, 7,3 mag, 5000 Lj, 13 arcmin
    Offener Sternhaufen

    M103, 7,4 mag, 8500 Lj, 5 arcmin
    Offener Sternhaufen
    letztes der 1ß3 Objekte im Mession-Katalog

    IC 1805 (Herznebel), 12,5 mag, 7500 Lj, 60 arcmin
    Emissionsnebel mit offenem Sternhaufen

    IC 1848 (Seelennebel), 12,5 mag, 7500 Lj, 40 arcmin
    Neben mit mehreren offenen Sternhaufen
    Sternentstehungsgebiet

    Sternbild Kepheus

    NGC6946 (Feuerwerksgalaxie), 9 mag, 21 Mio Lj, 11 arcmin
    Spiralgalaxie

    Sternbild Schwan

    M29, 6,6 mag, 4000 Lj, 7 arcmin
    offener Sternhaufen

    M39, 4,6 mag, 800 Lj, 30 arcmin
    Offener Sternhaufen
    unter guten Bedingung mit bloßem Auge sichtbar
     
  10. elektro_heiko

    elektro_heiko Aktiver canikon

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    Irre, Wahnsinn, geil ... saubere Arbeit! :D
     
  11. escho

    escho canikon Legende

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    Danke, Heiko.

    Ich hab bei den letzten Bildern gemerkt daß etwas viel Info, geballt auf einmal, in den Bildern war. Das möchte ich bei den folgenden Aufnahmen etwas entzerren. Es wird also pro Aufnahmestandort drei Bilder geben, jeweils mit unterschiedlichen Infos. Und ich fang gleich an, und zwar mit dem Fuhrmann.

    [​IMG]Bild 7 - Fuhrmann by Edgar Scholz, auf Flickr

    Wir erinnern uns an den Held Perseus, der zu seiner Andromeda eilt, um sie zu befreien. Der Fuhrmann scheint, im Rücken von Perseus, dem Helden hinterherzuhecheln. Er hat aber mit der schönen Geschichte um die königliche Familie rein gar nichts zu tun, sondern will eher isoliert betrachtet werden.
    Ich hab den Fuhrmann so gemalt, daß nur sein Kopf zu sehen ist. Und da es mir ganz gut gefällt, hab ich ihm, wie vorher schon dem Perseus und König Kepheus einen Spitzhut aufgesetzt. Rechts der Knubbel ist die Hakennase, deren oberer Ansatz von einem wirlich hellen Stern markiert wird, von Capella. Unten sieht man das markant vorgestreckte Kinn.

    Um den Fuhrmann ranken sich viele Geschichten. Am besten gefällt mir folgende:

    Erichthonios War der König von Attika mit seinem Hauptort Athen. Er besaß einen markanten Kopf (hab ich ja gezeichnet) und eine Zipfelmütze auf dem Schädel (war wohl Winter). Der Rest seines Körpers war der einer Schlange. Es war deshalb nicht verwunderlich, daß der König nicht Laufen konnte. Um dennoch schnell vom Fleck zu kommen, konstruierte er sich einen Pferdewagen und erfand so nebenbei das Rad. So saß er dann auf seinem Wagen und lenkte die vier stolzen Rosse, die ihn zogen.

    Ihr meint, ich erzähle wieder einmal nur Unsinn? Nun gut, ich sag mal so: Die offizielle (lateinische) Bezeichnung für das Sternbild des Fuhrmann lautet Auriga. Und Auriga kann übersetzt werden als Wagenlenker :)


    Die hellsten Sterne im Fuhrmann:

    Capella, 0,08 mag, 42 Lj
    Hellster Stern im Fuhrmann, dritthellster von Deutschland aus beobachtbarer Stern (nach Arktur und Wega).
    Doppelstern, kannn im Teleskop optisch aber nicht getrennt werden

    Menkalinan, 1,9 mag, 82 Lj
    Bedeckungsveränderlicher, Periode knapp 4 Tage

    [​IMG]Bild 8 - Fuhrmann - Sterne by Edgar Scholz, auf Flickr


    Im Fuhrmann befinden sich drei Messier-Objekt, denen ich mich bei passender Gelegenheit mal mit dem Teleskop nähern will. Alle drei sind offene Sternhaufen.

    M36, 6 mag, 4100 Lj
    M37, 6 mag, 4400 Lj
    M38, 7 mag, 4200 Lj

    M37 sollte eine Beobachtung auf jeden Fall lohnen (viele Sterne)

    [​IMG]Bild 9 - Fuhrmann - deep sky by Edgar Scholz, auf Flickr
     
  12. Oliver78

    Oliver78 Moderator
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    Ich bin immer wieder baff, wie gut der Edgar sich mit Themen auskennt, die mir so völlig unbekannt sind: Flora (insbesondere Cactaceae) und Sterne/Himmelskörper. Dazu weiß er sie auch alle noch in Szene zu setzen und uns so an seinem Wissen teilhaben zu lassen. Ich bin schon froh, dass ich mir den Spruch aus der Grundschule noch merken kann: Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unsere neun Planeten :rolleyes:
     
  13. escho

    escho canikon Legende

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    Danke Oliver. Du kennst ja den Spruch. Man muß gar nicht alles wissen, man muß nur wissen, wo es steht ;)

    Sind seit geraumer Zeit nur noch acht Stück, Oliver. Pluto haben sie uns geklaut und zum Zwergplaneten degradiert.

    Edgar
     
  14. Oliver78

    Oliver78 Moderator
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    Wusste ich's doch, dass nicht mal mit diesem Spruch richtig liege :p
     
  15. escho

    escho canikon Legende

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    :)

    Weiter geht es mit einem Linksschwenk der Kamera. Haben wir im Norden begonnen, so schauen wir nun fast in Richtung Westen. Die Lichter rechts am Horizont gehören zur Schleuse Eckersmühlen am Main-Donau-Kanal.

    In dieser Aufnahme wollen wir uns auf Luchs, Krebs und Zwillinge konzentrieren.

    [​IMG]Bild 10 - Krebs Luchs Zwillinge by Edgar Scholz, auf Flickr

    Fangen wir mit dem Luchs (Lynx) an, der sich als Kette von mehr oder weniger unauffälligen Sternen über Krebs, zwillinge und Fuhrmann "schlängelt". Der hellste Stern ganz links, α Lyncis, hat gerade mal 3 Magnituden. Nicht sehr interessant. Also auf zum nächsten Sternbild.

    Der Krebs (Cancer) ist, wie der Luchs, ein sehr unauffälliges Sternbild. Sein hellster Stern ist noch finsterer als der hellste Stern im Luchs. Man braucht also schon ein klein wenig Geduld, um das Sternbild zu entdecken. Am besten sucht man ungefähr in der Mitte zwischen dem Löwen und den Zwillingen.

    Obwohl der Krebs so unauffällig ist, ist er dennoch um Klassen bekannter als der Luchs. Man kann dort einen interessanten Sternhaufen entdecken. Und der Krebs gehört zu den 12 Tierkreiszeichen. Desweiteren gibt es den Begriff "Wendekreis des Krebses". Mit diesem Begriff kann mein ein Buch von Henry Miller verbinden, man kann ihn aber auch mit der Sommersonnenwende auf der Nordhalbkugel in Zusammenhang bringen. Davon werd ich später mal erzählen.

    Auf unserem Bild ist der Krebs ziemlich leicht zu entdecken. Denn zum Zeitpunkt der Aufnahme befand sich Jupiter in diesem Sternbild. Und Jupiter ist wirklich kaum zu übersehen.

    Bleibt unser drittes Sternbild, die Zwillinge. Die beiden Sterne, die die Köpfe der Zwillinge darstellen, sind wohl jedem von uns wenigstens dem Namen nach geläufig. Es sind Castor und Pollux.
    Die beiden Zwillinge scheinen sich an den Händen zu halten, unzertrennlich, wie sie sind. So bieten sie eine markannte Konstellation am Nachthimmel. Markant möchte ich hier aber nicht hell gleichsetzen, denn die Zwillinge müssen erst mal entdeckt werden. Ist aber gar nicht so schwer, wenn man die eine Linie bildet vom Löwen zum Perseus: Löwe - Krebs - Zwillinge - Fuhrmann - Perseus, und ab hier kennen wir uns wieder aus.

    Kennt ihr das Bild "Leda" von Michelangelo? Das Bild existiert im Original nicht mehr. Vielleicht haben sich da Sittenwächter drüber hergemacht. Dieses berühmte Gemälde zeigt Leda in unmissverständicher Liebespose mit einem Schwan. Fast schon ein Porno, den Michelangelo hier gemalt hat.
    Leda war die Frau von König Tyndareos. Eines Nachts schlief sie mit ihrem Mann, wie es Ehegatten so tun und wurde glatt schwanger. Nun wollte es das Schicksal, daß Zeus sich ihr in der gleichen Nacht in Gestalt eines Schwans näherte und sie ebenfalls schängerte.
    Aus diesem Kuddelmuddel gingen einige Kinder hervor, unter anderem Helena (die schöne Helena) und die Zwillinge Castor und Polydeukes. Die beiden Zwillinge bekamen ihr eigenes Sternbild wurden als Castor und Pollux am Himmel verewigt.

    Ging ganz schön wild zu, damals bei den Göttern, oder?


    Erwähnenswerte Sterne in den drei Sternbildern, sind eigentlich nur 2 Stück:

    Pollux, 1,16 mag, 34 Lj
    Sehr heller Stern.
    Ist ein Roter Riese ud hat damit eine rötliche Färbung

    Castor, 1,58 mag, 50 Lj
    Kontrastiert wegen seiner weißen Farbe auffällig zu Pollux

    Alhena, der in etwa die Helligkeit des Polarsterns hat, ist hier unter dem Horizont und damit nicht zu sehen

    [​IMG]Bild 11 - Krebs Luchs Zwillinge - Sterne by Edgar Scholz, auf Flickr


    Nebel, Galaxien und Sternhaufen

    Luchs

    NGC 2683 (UFO-Galaxie), 10 mag, 20 Mio Lj, 9 arcmin
    Spiralgalaxie

    Zwillinge

    M35, 5 mag, 2800 Lj. 30 arcmin
    Offener Sternhaufen
    bei dunklen Himmel auch ohne Hilfsmittel zu erahnen

    Krebs

    M44 (Krippe), 3 mag, 600 Lj, 100 arcmin
    Auffälliger offener Sternhaufen.
    Im Messier-Katalog sind nur noch die Plejaden heller
    Mit bloßem Auge erkennbar

    M67, 7 mag, 2700 Lj, 30 arcmin
    Offenere Sternhaufen
    Fernglasobjekt

    [​IMG]Bild 12 - Krebs Luchs Zwillinge - deepsky by Edgar Scholz, auf Flickr
     
  16. gallus

    gallus Aktiver canikon

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    Hallo Edgar,
    Deine Sternkarten und Deine Erklärungen zu den Karten - einfach Klasse. Mein Blick geht in der Nacht öfters mal nach oben wenn es hier zappenduster ist. Manchmal find ich was. Kleiner Wagen oder Orion sind für mich am leichtesten zu finden. Machst Dir viel Arbeit - dafüe ein herzliches Danke.
    VG Uwe.
     
  17. UMo

    UMo canikon Legende

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    Beeindruckend gut!
    Aber ich krieg das nicht mehr in mein Hirn*noplan*
     
  18. MadDog J

    MadDog J Live Performance Artist

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    ich lass einfach den Mund offen stehen und staune
    zu mehr sehe ich mich nicht in der Lage ... :god:

    liebe Grüße ... und sollte ich mit meinen Buben mal Regenlangeweile haben, weiß ich welche Bilder ich ansehen werde
    DANKE! Mad
     
  19. escho

    escho canikon Legende

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    Danke euch.
    Edgar
     
  20. escho

    escho canikon Legende

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    Nun kommen wir mit einem weiteren Linksdreh der Kamera zur Wasserschlange. Dieses Sternbild ist allerdings so groß, daß ein Bild allein hier gar nicht ausreicht. Drum hab ich zwei nebeneinander liegende Aufnahmen gestitched. Und siehe da, alles, was ich brauche für die nächste Geschichte ist nun im Bild.

    [​IMG]Bild 13 - Wasserschlange Becher Rabe by Edgar Scholz, auf Flickr

    Wie wir schonmal gehört habem, war Zeus gewissen Vergnügungen nicht abgeneigt. Und da passte dann meinstens der Spruch: Aus Spass wurde Ernst und Ernst ist heute drei Jahre... Nunja, einen Gott mit dem Namen Ernst kenn ich nun nicht wirklich, dafür aber einen Menge andere Kinder vom Göttervater, die auf Grund ihrer Herkunft selber unsterblich und damit Götter waren.

    Die Göttin Leto, eine Titanentochter, war die Geliebte von Zeus. Und aus dieser Liebschaft entsprangen die Zwillinge Artemis und Apollon.

    Eines Tages gab Apollon einem Raben den Auftrag, Wasser zu holen. Der Rabe, nicht faul, schnappte sich mit seinem Schnabel einen Becher und machte sich auf den Weg. Doch wie das manchmal so ist, manche Wege können lang werden, vor allem, wenn einen unterwegs Hunger und Müdigkeit übermannen.
    Der Rabe landete im Schatten eines Feigenbaums und legte sich hin, um ein Nickerchen zu machen. "Wahrscheinlich sind die Feigen reif, wenn ich wieder aufwache", dachte der Rabe noch, bevor er sanft einschlief. Und tatsächlich reiften die Früchte am Baum zu leckeren Naschereien heran.
    Nachdem der Rabe sich ausgiebig mit den leckeren Feigen gesättigt hatte, erinnerte er sich an seinen Auftrag. Er flog zum Fluß, schöpfte mit dem Becher Wasser und brachte es Apollon.
    "Denk nur, Apoll", flunkerte der Rabe. "Auf dem Wege zum Fluss hat mir eine garstige Wasserschlange den Weg versperrt. Es hat ziemlich lange gedauert, sie zu überlisten, um an das Wasser heranzukommen"
    "Soso" antwortete der Gott, der die Lüge des Raben durchschaute. "Dann will ich dir mal Gelegenheit geben, das zu üben". Und mit diesen Worte verbannte Apollon den Raben, den Becher und die Wasserschlange als Sternbilder an den Himmel.

    Wie schon angedeutet, schlängelt sich Hydra, die Wasserschlange, unendlich lange über den Himmel. Schön ist ihr markanter Kopf, der Rest des Körpers ist, bis auf den Hauptstern Alphard, eher unauffällig. Auf dem Rücken ist der Becher zu erahnen (ist nicht besonders hell). Vielleicht hat der Rabe ja den Becher fallen gelassen? Und der Rabe selber ist am Schwanzende von Hydra zu finden. Ist übrigens ein schönes und auffälliges Sternbild, der Rabe. Wenn ich schlafen gehe, sehe ich aus dem Schlafzimmerfenster vier Sterne hell leuchten, die Sterne des Raben.


    Erwähnenswerte Sterne

    [​IMG]Bild 14 - Wasserschlange Becher Rabe - Sterne by Edgar Scholz, auf Flickr

    Wasserschlange (Hydra)

    Alphard, 1,98 Mag, 180 Lj
    oranger Riesenstern, 40mal so groß wie die Sonne


    Rabe (Corvus)

    Gienah, 2,6 mag, 190 Lj
    hellster Stern im Raben

    Kraz, 2,65 mag, 140 Lj

    Algorab, 2,9 mag, 86 Lj

    Minkar, 3 mag, 320 Lj


    Nebel, Sternhaufen, Galaxien

    [​IMG]Bild 15 - Wasserschlange Becher Rabe - deepsky by Edgar Scholz, auf Flickr

    Wasserschlange

    NGC3115, 9 mag, 30 Mio Lj, 7x3 arcmin
    Zwischentyp zweichen Spiral- und elliptischer Galaxien
    Enthält ein extrem massereiches Schwarzes Loch (400 Milliarden Sonnenmassen)

    M68, 10 mag, 30000Lj, 11 arcmin
    Kugelgalaxie

    M83, 7,5 mag, 15 Mio Lj, 12 arcmin
    Spiralgalaxie

    M48, ein mit 6 mag ziemlich heller offenen Sternhaufen, ist leider knapp unter dem Horizont.